Sexualpädagogisches Konzept

Den eigenen Körper und dabei sich selbst entdecken – ohne körperliche Interaktion geht es nicht!

Bei der kindlichen Sexualität handelt es sich um eine Entwicklung von spontanem, ungerichteten sinnlichen Erfahren und Erlernen von Körper und Seele hin zu einer erwachsenen Sexualität, die durch eigene Persönlichkeit, Umwelt und Kultur individuell geformt wird.

Was ist kindliche Sexualität?

Das wichtigste zuerst: kindliche Sexualität unterscheidet sich wesentlich von der Sexualität Erwachsener! „Mit dem Begriff Sexualität wird meistens die Sexualität Erwachsener assoziert, insbesondere alle Formen von Geschlechtsverkehr. Kindliche Sexualität entwickelt und verändert sich, weil der Körper als Quelle von Lustgefühlen erst entdeckt wird. Gerade jüngere Kinder äußern ihre Bedürfnisse spontan, unbefangen, voller Neugier – und im wörtlichen Sinne – schamlos, denn sie kennen anfangs noch keine gesellschaftlichen Sexualnormen. Babys und Kleinkinder erleben die Sinneswahrnehmungen ihres ganzen Körpers als lustvoll und unterscheiden nicht zwischen Zärtlichkeit, Schmusen und genitaler Sexualität. Ihre ganzheitliche Sexualität bezieht also ihre Geschlechtsteile mit ein, konzentriert sich aber nicht darauf. Schon Neugeborene berühren ihre Genitalien und erleben dabei angenehme Gefühle. Selbsterkundungen des Körpers und Masturbation finden in der gesamten Kindheit statt. Sexuelle Aktivitäten mit anderen Kindern, so genannte Doktorspiele, interessieren Kinder etwa ab 3 Jahren. Sie erkunden so die Geschlechtsunterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten mit Kindern des gleichen Geschlechts, begreifen das eigene biologische Geschlecht und lernen den Körper bewusst als Quelle von Lustgefühlen kennen.

Eine weitere Variante des Spiels ist das „Vater, Mutter Kind – Spiel“, in dem Kinder das bei Jugendlichen oder Erwachsenen beobachtete Verhalten nachspielen. Mädchen und Jungen halten Händchen, „knutschen“ oder spielen „sich verlieben“. Möglich ist auch, dass Kinder Geschlechtsverkehr nachspielen oder die Geburt nachahmen. Auch kann es vorkommen, dass die Kinder im Spiel ihr Geschlecht wechseln. Im engeren Sinne ist mit „Doktorspielen“ das auf allen Ebenen freiwillige Beobachten und Erkunden des Körpers und im speziellen das von Penis, Scheide und Anus gemeint.

Weitet man den Begriff Doktorspiele auf ein natürliches Interesse an sexueller Neugier aus, so lässt sich in dieser Phase ebenfalls beobachten, dass Kinder sehr an der Fortpflanzung interessiert sind. Sie stellen endlos Fragen wie z. B.: „Wie bin ich aus dem Bauch raus zur Welt gekommen? Woher kommen die kleinen Kinder?

Die sexuelle kindliche Entwicklung ist ein Bestandteil zur Entwicklung einer selbstbestimmten Körperaneignung. Kindliche Sexualität dient der Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung. Dabei sind die körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten an die gesellschaftlichen Konventionen gebunden. Das soziale Umfeld, in dem man aufwächst, prägt z. B. den Kleidungsstil sowie den gesamten Umgang bzw. die Inszenierung von Körperlichkeit. Dies bezieht sich auch auf die Dimensionen von Gender (Kägi 2013b). Verbunden ist dies mit einer Vermittlung von Werten und Normen, die zum größten Teil unbewusst vermittelt werden. Ein Beispiel hierfür wäre das sich entwickelnde Schamgefühl, da Sexualität den Werten und Normen des soziokulturellen Umfeldes unterliegen und zur Privatsphäre gezählt wird. Beobachten lässt sich dies daran, dass die meisten Kinder im Laufe ihrer Entwicklung ein Schamgefühl für ihren eigenen Körper entwickeln, was sich u. a. im Setzen von Grenzen ausdrückt.

Kindliche Sexualität in der KiTa:

Mädchen und Jungen erhalten  die Möglichkeit in einer sicheren und begrenzten Umgebung einen Umgang mit der eigenen körperlich-sinnlichen Wahrnehmung zu erfahren. Kindern soll es ermöglicht werden, Vertrauen in die eigene Körperempfindung aufzubauen. Sie werden in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt sowie in ihrer Liebes- und Beziehungsfähigkeit gefördert. Der bewusste und gesetzte Umgang mit dem Thema kann die Bildung einer autonomen Haltung zu sich und seinem Körper.

Regeln helfen Kindern bei der Findung von sozial-gesellschaftlichen und eigenen Grenzen. Von daher gehören Regeln im Umgang miteinander zu den elementaren Prinzipien in unserer Kindertagestätte. Damit es bei Doktorspielen nicht zu Grenzverletzungen oder sexuell übergriffigem Verhalten kommt, müssen Kinder einen Zugang zu diesen notwendigen Regeln haben. Kinder benötigen „wissende“ Begleitung und Regeln bei der Auseinandersetzung mit der jeweiligen individuellen, sexuellen Neugier. Diese Regeln sind auch notwendig, da es grundsätzlich  sein könnte, dass ein Mädchen oder ein Junge das leichte Streicheln am Bauch angenehm findet, ein anderes Kind widerum diese Art der Berührung, als unangenehm oder sogar als beängstigend erlebt. Kinder müssen aufgrund ihrer zum Teil erworbenen Kompetenzen in diesem Bereich in die Lage versetzt werden, „Nein“ sagen zu können.

Wie gehen wir in unserer Kita damit um?

Richtlinien zur Nacktheit in der unserer Einrichtung:  Da unser Außengelände von vielen Seiten einsehbar ist, können die Kinder in den Sommermonaten bei uns nur mit Badehose oder Unterhöschen baden und planschen.

Entwicklungsstand:  Bei Doktorspielen oder ähnlichen Spielen achten wir darauf, dass die Kinder auf dem gleichen Entwicklungszustand sind und die Beteiligten dem Spiel freiwillig folgen.

Räumlichkeiten und Sicherheit: Kinder können sich in unserer Einrichtung zurückziehen,  um ihre Bedürfnissen zu stillen. Das Personal weiß wo sich die Kinder aufhalten.

Voraussetzungen in der Kita: Die Kinder können mit ihren Fragen zu einer von ihnen ausgewählten Bezugsperson gehen. Verschiedene Bücher stehen für die Kinder jederzeit zur Verfügung. Wir schützen die Intimsphäre der Kinder indem wir darauf achten, dass Kinder in ihrem Spiel nicht von „Besuchern“ beobachtet werden können.

Elternzusammenarbeit

Bei Aufnahmegespräche und bei Entwicklungsgesprächen bekommen Eltern Informationen zum sexualpädagogischen Konzept. Im gegenseitigen Austausch mit den Eltern werden aktuelle kindliche Entwicklungsprozesse thematisiert. Die Beobachtungen und Dokumentationen beziehen die (psycho) sexuelle Entwicklung mit ein. Damit sind diese selbstverständlich auch Gegenstand der Entwicklungsgespräche.

Bei Bedarf finden Elternabende zu sexualpädagogischen Themen statt. Durch die wiederkehrenden Elternabende erhalten die Eltern Einblicke in das sexualpädagogische Konzept der Einrichtung.

Kompetenzerwerb:

Kinder haben die Möglichkeit unterschiedliche Bildungs- und Erziehungserfahrungen zu machen, die bezogen auf die Kompetenzen wie folgt beschrieben werden können:

Mädchen und Jungen lernen durch Doktorspiele/ Rollenspiele ihre eigenen Gefühle kennen, wahrzunehmen und zu benennen. Dazu zählt das Wahrnehmen von körperlichen Gleichheiten und Unterschieden. Kinder lernen über ihre Empfindungen Auskunft zu geben und „Ja“ und „NEIN“ zu sagen, bzw. zu signalisieren ob ihnen etwas angenehm oder unangenehm ist.

Das Kennenlernen von eigenen Grenzen, das Wahrnehmen von Grenzen des Anderen sowie die Wahrnehmung und das Kennenlernen der Unterschiede in den Grenzen sind wichtige Bildungsbereiche für Kinder. Dazu lernen Kinder die gängigen gesellschaftlichen Werte und Normen  kennen und erlangen die Kompetenz sich sicher darin zu bewegen.

Selbstregulationsprozesse können kennengelernt und beim anderen beobachtet werden.